Avengers Assemble

 

Mal ganz unter uns, es gab in letzter Zeit nicht viele Filme, die von mir das Prädikat Awesome bekommen hätten. Ob es daran liegen mag, dass man im Action-Krach-Wumm-Film-Bereich schon alles irgendwie mal gesehen hat oder ob Hollywood langsam die Ideen für wirklich neue Filme auszugehen droht, ich vermag es nicht zu sagen. Umso skeptischer war ich vor dem Release von The Avengers, hat man Vergleichbares in den letzten Jahren doch schon zuhauf serviert bekommen: Superhelden kloppen sich in einem Actionblockbuster.

Nach den zwei (wie ich finde) sehr guten Iron Man Filmen und dem unglaublichen Hulk, kam der noch gute Thor und der leider schwache Cap, welche für mich die Vorfreude auf den Film ein wenig trübten, da ich befürchtete Marvel, respektive Disney würden hier einfach nur ihr Soll nach Schema F abhaken und lieblos einen Superheldenfilm nach dem anderen raushauen. Noch dazu war ich mit der Zusammenstellung des Rächerteams nicht ganz einverstanden, aber das sind ja bekanntlich nur persönliche Vorlieben. Des weiteren fand ich die Figur des Hawkeye im Thor-Movie ein wenig farb- und facettenlos und hatte Angst, dass das alles irgendwie zu einer Captain America Show wird.

Was ich aber nun bei diesem Aufeinandertreffen der Superheldenoberliga geboten bekam, war ein nicht enden wollendes Feuerwerk der Unterhaltungskunst. Selten hat mir ein Film einfach von Anfang bis Ende konsequent gefallen. Was in anderen Filmen im Finale an Action aufgefahren wird, feuerten die Avengers schon in den ersten Minuten ab und kaum meint man nun sei alles Pulver verschossen, wird man eines Besseren belehrt und ich ertappte mich selber beim Aufsagen folgenden Satzes:  “Oh Boy I was so wrong!”

Wer Spider-Man 3 gesehen hat, der weiß, dass zu viele Charaktere in einem Film gnadenlos überladen sein können (zu viele Köche…ihr kennt das Sprichwort)  und bei dem man storytechnisch nicht jeder Figur voll Rechnung tragen kann. Ganz anders hier. Regisseur Joss Wheadon hat ein Händchen darin bewiesen, wie er jedem Superhelden im Film gerecht wird und jede Figur mit Respekt am Fan rüberzubringen weiß. Hier macht es einfach saumäßig Spaß, zuzusehen wie Tony Stark anderen seine Sprüche drückt, der Thor antiquiert daher schwadroniert oder der Cap sich noch nicht so wirklich in der modernen Zeit zurechtfindet. All dies sorgt für gewisse Reibereien zwischen den Protagonisten und man möchte irgendwie einfach dabei sein. Da wird ein Dr. Bruce Banner versucht aus der Fassung zu bringen, weil alle den großen Grünen in ihm sehen wollen. Es sind die kleinen, intelligenten Dialoge und die gezielt eingesetzten Humorelemente die den Film zwischen all der Action vom Einheitsbrei hervorheben lassen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die erste Aktion, in der die Helden zusammenarbeiten müssen, gekonnt in den Sand gesetzt wird. Aber das ist alles notwendig um das an Actiondynamik kaum zu überbietende Finale zu inszenieren, bei dem unsere Helden alles geben!

Was die Vorgänger-Filme des Marvel Cinematic Universe schon erahnen ließen, wird hier konsequent durchgezogen: Eine Comicverfilmung wie sie sein soll. Mit einem Bösen Erzfeind, der sich aus den tiefen des Universums erhebt und dabei eine tragikomische Person verkörpert, wird er doch selbst von einer höheren Macht dazu benutzt die Erde zu vernichten. Verdammt als Comic-Fan will man sogar sehen, wie halb New York in ein Schlachtfeld zwischen Alien-Invasoren und Superhelden verwandelt wird. Mit Drachenwesen. Laser. Und all so nem geilen Fuck. Da wird über manche Logiklücken hinweggesehen. Schließlich ist dies hier kein Nolan, sondern ein FUCK YEAH HULK SMASH of a MOVIE. Ich habe bisher noch keinen geileren Superhelden Film gesehen. Und Boy…ich hab sie alle geschaut!

Professor Mustache pulp cover

Bryan Karmel hat für seine Abschluss-Arbeit in Design History ein schönes Pulp-Comic-Poster gestaltet, auf dem ein Roboter mit Schnauzer gegen einen riesen Kraken kämpft und dabei eine Frau hält.

Genial.

Blast From The Past: The Teenage Mutant Ninja Turtles

In Deutschland und den meisten europäischen Ländern besser bekannt als die Teenage Mutant Hero Turtles sind eine Gruppe kampferprobter mutierter Schildkröten im jugendlichen Alter, die in den späten 80ern und frühen 90ern die Kinder verrückt gemacht haben. Die Cartoon Serie kennen und liebten wir alle. Die Anfänge dagegen sind hierzulande leider weniger bekannt. Dieses Blast from the Past beschäftigt sich mit den Anfängen, der Original Comic Vorlage und den Unterschieden zur allseits beliebten Fernsehserie.

Die beiden Freunde Kevin Eastman und Peter Laird saßen eines Abends bei einem Brainstorming zusammen und heraus kam eine Skizze einer maskierten Schildkröte mit Nunchakus. Den Anblick einer von Natur aus lahmen Schidlkröte mit menschlichen Zügen und den blitzschnellen Reaktionen eines Ninjas fanden die beiden so berauschend, dass sie sich kurzerhand von Eastmans Onkel Geld liehen, die Mirage Studios gründeten und ihren ersten Turtles Comicband auf eigene Faust produzierten.
Dieser erste Band war noch als eine Parodie auf die in den 80er Jahren so populären Comicserien X-Men, Daredevil und Ronin gedacht. Sie veröffentlichten dieses Issue auf einer Comicveranstaltung wo es bei den Lesern großen Anklang fand. Viele Parallelen und augenzwinkernde Querverweise waren in den ersten Comicheften zu finden, die ihren persiflierten Vorbildern Tribut zollten.

Die Anfänge der Turtles waren alles andere als quietsch buntes Kinderwerk. So ist der Unterton der Comicserie viel ernster, brutaler und richtet sich an ein erwachsenes Publikum. Oftmals mussten die Schildkröten mit lebensbedrohlichen Verletzungen fertig werden und nicht selten wurden ihre Gegner durch die Waffengewalt getötet. Die später auf den Comics aufbauende Zeichentrickserie wurde extra auf Kinder zugeschnitten und dementsprechend pervertiert. Die Schöpfer der Cartoons machten aus den Turtles ein mit flotten Sprüchen um sich werfenden Haufen aus pizzaliebhabenden Slapstick-Kröten.
Die Comicserie wurde in schwarz-weiß gehalten was im Independet-Comic-Bereich Gang und Gäbe war (und auch noch heute oft praktiziert wird). Dies führte dazu, dass Ende der 80er ein regelrechter Boom an Indie-S/W Comics entstand. Die Turtles trugen alle rote Bänder um den Kopf. Die charaktereigenen Farben kamen erst mit der Fernsehserie. Aber nicht nur thematisch differenzierten sich die Original Comics von den Cartoons, auch storytechnisch gab es einige Unterschiede. So beherrschte der Ninja Clan The Foot (als Hommage an Daredevil zu verstehen, in dessen Comics der Ninja Clan The Hand sein Unwesen treibt) das Geschehen in New York City und war der größte Widersacher der vier Schildkröten. Shredder gab es zwar auch, allerdings wurde dieser später getötet (inklusive dem comictypischen Wiederauferstehen). Bebop und Rocksteady kamen ebenso wenig wie das Schwabbelhirn Krang aus der Dimension X vor. Baxter Stockman der verrückte Wissenschaftler ist im Comic ein Afroamerikaner und nicht wie in den Cartoons ein Weißer. Auch verwandelt er sich keinesfalls in eine mutierte Riesenfliege sondern sein Gehirn lebt, nach seinem körperlichen Tod, in einer Art Nährlösung. Die Charaktere der Heftvorlage entwickelten sich später richtig weiter. In den aktuell veröffentlichten Ausgaben befinden sich die vier Turtles in den Mittdreißigern, April O’Neal und Casey Jones sind verheiratet und haben sogar ein gemeinsames Kind. Auch die Folgen des Kampfes gehen nicht spurlos an ihnen vorbei. So fehlt Raphael später (in der non-canonischen 3. Staffel) ein Auge und hat eine riesige Narbe im Gesicht. Leonardo wurde gar eine ganze Hand abgetrennt und Donatello ist zum Cyborg umgebaut worden.

Mit dem Versuch, sich näher an die Originalvorlage zu halten, wurde im Jahr 2003 ein Relaunch der Zeichentrickserie gewagt. Diese neue Serie unterscheidet sich signifikant von der ersten, ist in seiner Thematik dunkler und die Zeichnungen wirken kantiger. Die Handlung kommt der des Comics sehr nahe. Zwar richtet sich die Serie immer noch an ein vorwiegend jüngeres Publikum, wurde aber ernster umgesetzt, was nicht zuletzt auf das Fehlen der vielen Slapstick Einlagen zurückzuführen ist. Im Gegensatz zur ersten Serie hatte bei der Produktion Kevin Eastman einiges an Mitspracherecht, weshalb das Urkonzept seiner Idee besser umgesetzt wurde.

Mit einer ernsteren Thematik und im Bereich der “Erwachsenen-Unterhaltung” angesiedelt, gelten die Comics hierzulande als Geheimtipp. Wer die Turtles mal nicht als kindische Sprücheklopper auf Extasy erleben will, der sollte ruhig mal einen Blick wagen. Auf www.ninjaturtles.com , der offiziellen Homepage, gibt es die ersten Bände als Webcomic zum reinschnuppern.